Der moderne Verkäufer, die eierlegende Wollmilchsau?
Bild: — Senad (@senadpalic)
Wir, die fleißigen Mitarbeiter des Verkaufs,werden doch gerne als eierlegende Wollmilchsau gesehen. Weil Ihr, liebe Kunden, Euch doch immer wieder wünscht, dass wir, am Besten kostenfrei, alles können und für alles zu haben sind.
Was um alles in der Welt bewegt sich da eigentlich heutzutage in der stationären Einkaufswelt? Wobei sich in der vernetzten Welt sicher nicht minder degenerierte Einkaufswütige tummeln und ihre Wünschen kund tun.
Wir gewinnen immer mehr den Eindruck, dass die Ansprüche seitens des Kunden teilweise exorbitante Ausmaße annehmen und er seine Wünsche zur 110%igen Zufriedenheit erfüllt wissen will. Beispiele gewünscht? Aber gerne doch:
Der Kunde wünscht eine Lieferung der neu erworbenen Waschmaschine ins Haus/Wohnung, inklusive Demontage und Entsorgung des Altgerätes und Installation des Neugerätes. So etwas ist natürlich alles möglich, hat allerdings seine Preis, sprich, hier entstehen für diese Extra-Wünsche ebenso Extra-Kosten für den Kunden. Genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Der Kunde wünscht diese Extras immer öfter kostenfrei und zeigt Unverständnis, wenn diese zusätzlich geforderte Leistung angemessen zu entlohnen ist.
Das soeben erworbene Notebook/Smartphone soll bitte komplett eingerichtet werden. Technisch stellt das i.d.R. kein große Herausforderung dar, außer der Kunde hat extravagante Vorstellungen und erwartet in einem B2C-Markt die Leistung eines B2B-Unternehmens. Home-Business Dienste (Installation eines Routers, Druckers oder andere gängiger Hardware, Einrichten eines Notebooks, Computers, Tablets & Co.) werden vielerorts zu angemessenen Preisen angeboten. Aber auch hier zeigt sich immer wieder, dass der Kunde diese Dienste liebend gerne kostenlos wünscht, er hat ja das Produkt zuvor schon erworben.
Allgemein als paradox würde es allerdings empfunden, wenn man z.B. in einem Baumarkt nach einem kostenfreien Installationsservice für die gekaufte Kloschüssel fragt. Ebenso komisch würde es doch sicher erscheinen, wenn man den Verkaufsmitarbeiter eines Baumarktes fragt, ob dieser die erworbene Farbe denn auch beim Kunden daheim fachgerecht anbringt.
Warum werden die Autoverkäufer eigentlich nie gefragt, ob sie dem Kunden, der doch dieses extrem hochwertige KFZ erworben hat, bitte die Verkehrsregeln mal erläutern können oder gar das Autofahren als solches beibringen? Schließlich wird dergleichen doch auch gerne bei einem Notebook/Computer/Tablet gefragt, was es so z.B. beim Internet zu beachten gilt oder wie das eine oder andere Betriebssystem denn funktioniert. Zum besseren Verständnis sei hier erwähnt, dass die Betriebssysteme bei klassischen Consumer-Produkten i.d.R. kostenfreie Zugaben darstellen, da sie von der Garantie des Herstellers ausgeschlossen sind.
Auch erwarten viele Kunden, dass wir Verkaufsmitarbeiter nichts besseres in unser Freizeit zu tun haben, als technischen Journalismus zu betreiben. Besonders die Mitarbeiter aus dem Bereich der Neuen Medien (Computer/GSM) sind doch eh schon damit gestraft, dass Ihr Bereich der komplexeste und schnelllebigste überhaupt in der Elektrobranche für Consumer-Produkte ist. Hier wird dann seitens der Kunden gerne erwartet, dass auch ja jeder Mitarbeiter immer auf dem aktuellsten Stand der Dinge ist. Natürlich sollen da auch Kenntnisse über sämtliche Kompatibilitäten der Betriebssysteme, Hardware und Programme vorhanden sein. Und die Hard- und Software und verschiedensten Konfigurationen, die beim Kunden vorhanden sind, kennen die Verkaufsmitarbeiter selbstverständlich auch. Richtig spannend wird es dann, wenn der Kunde gefragt wird, was er denn daheim bereits an Hard- oder Software besitzt und er da oftmals nur vage Auskünfte geben kann. Wenn der Verkaufsmitarbeiter dem Kunden dann begegnet, dass er diesem mangels Informationen nicht mal Ansatzweise eine ausreichende Lösung für seinen Wunsch liefern kann, wird der Verkaufsmitarbeiter oftmals gerne als inkompetent dargestellt. Dies natürlich nicht von Angesicht zu Angesicht, denn den Schneid besitzen so viele Kunden ja leider nicht.
Es ließen sich nun noch ewig viele Fallbeispiele aufzählen. Wir denken aber, dass Ihr liebe Kunden nun genügend Einblicke in Euer manchmal einfältig anmutendem Verhalten gewonnen habt und uns nicht dauernd für Eure Unzulänglichkeiten verantwortlich macht.
In diesem Sinne, viel Spaß beim nächsten Einkauf. Wir freuen uns auf Euch 🙂
